Impuls zum 11. Oktober 2026
Von Albert Hohmann (Föhren), pax christi Trier
Jesaja, 25,6-10a
6 Der HERR der Heerscharen wird auf diesem Berg / für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, / ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, / mit erlesenen, reinen Weinen. 7 Er verschlingt auf diesem Berg die Hülle, die alle Völker verhüllt, / und die Decke, die alle Nationen bedeckt. 8 Er hat den Tod für immer verschlungen / und GOTT, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, / denn der HERR hat gesprochen. 9 An jenem Tag wird man sagen: / Siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, / dass er uns rettet. Das ist der HERR, auf ihn haben wir gehofft. / Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat. 10 Denn die Hand des HERRN ruht auf diesem Berg.
Das Völkermahl
Im Exil wächst unter den Exilanten die Überzeugung, dass die Herrschaft Gottes dazu führt, dass die fremden Völker entmachtet werden. Dabei weitet sich unter manchen Exilanten beim Nachdenken über die Zukunft der Blick auf Israel zu einer Vision für alle Völker. Der Berg Zion, auf dem nach mehreren Propheten die Gottesherrschaft dazu führt, dass Israel die Thora verwirklicht und zum Leuchtprojekt für die Völker wird, dem sie sich anschließen, wird zum großen Festmahl für sie. Ihre Verblendung ist aufgehoben. Israels Rettung bedeutet für sie ebenfalls Heil.
Gerechtigkeit bringt Frieden
Wer nach Gemeinschaften in der heutigen Welt sucht, die die sozialen Grundsätze der Thora verwirklichen, wird nicht schnell erfolgreich sein. D. Gräber/D. Wengrow beschreiben in ihrem Buch „Anfänge“ einen überraschenden Befund baskischer Gesellschaften in den französischen Pyrenäen. Die Bewohner eines Dorfes sehen ihr Dorf kreisförmig, was die idealisierte Gleichheit der Haushalte und Familieneinheiten zum Ausdruck bringt. Jeder hat einen Nachbarn zur Rechten und zur Linken. Diese Anordnung ermöglicht eine Rotation der wesentlichen Aufgaben und Pflichten. Ein Haus, das die Pflicht hat, sonntags zwei Brote (von denen als Samen gesprochen wird und Leben meint) in der Kirche segnen zu lassen, reicht eins nach rechts weiter, welches dann am nächsten Sonntag wieder mit zwei Broten in die Kirche geht usw. Die Fürsorge für Tote und Sterbende läuft linksherum. Wenn ein Haushalt seiner Pflicht nicht nachkommen kann, springen Nachbarn aus der ersten, zweiten oder dritten Reihe ein. Das System greift auch bei Zusammenschlüssen, wenn größere Aufgaben zu erledigen sind. Die Autoren stellen fest, dass so „die Gleichheitsverhältnisse langfristig Bestand haben und die internen Konflikte fast vollständig ausbleiben.
Was sich im Baskenland tut, ist vor der Weltöffentlichkeit weitgehend verborgen. Dennoch bringt es zu Tage, dass Gesellschaften gerecht sein und ohne Dirigenten funktionieren können. Derartige Perspektiven machen Herrschern vor allem kund, dass sie mit Gewalt und Krieg nicht zum Wohl der Menschen beitragen.
Gesellschaften, die sich an den Maßstäben der Thora orientieren, brauchen keine Herrscher. Ihre Lebensform strahlt aus. Wenn sich das weiterträgt, gibt es Grund genug zu feiern.
Mt 22, 1-14
1 Jesus antwortete und erzählte ihnen ein anderes Gleichnis: 2 Das Himmelreich ist zu vergleichen mit einem Menschen-König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. 3 Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. 4 Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! 5 Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, 6 wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. 7 Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. 8 Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. 9 Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein! 10 Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. 11 Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte. 12 Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm. 13 Da befahl der König seinen Dienern. Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. 14 Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.
Ein schwieriges Gleichnis
Es ist uns in der Vergangenheit nahegelegt worden, in dem einladenden König ein Bild für Gott zu sehen. Das ist aber schwierig, da sich dieser König als grausam erweist. Er lässt töten und vernichtet eine ganze Stadt. Zudem ist er auch zu einem der späten Gäste ungnädig und übergibt ihn der Finsternis. Ist das ein Ausdruck für Gottes Gerichtshandeln oder herrscherliche Willkür?
Könige und andere Potentaten zurzeit Jesu haben durchaus häufig auch mit dem Veranstalten von Gastmählern regiert. Diese waren keineswegs frei von Untaten. Während eines solchen Gastmahls wurde z.B. Johannes der Täufer enthauptet. Die Vorgänge im Gleichnis entsprechen den sozialen und politischen Verhältnissen der Zeit. Wie kann das zum Gleichnis für das Himmelreich werden?
Leider wird oft diese Gleichsetzung sprachlich vorgenommen. Wenn man aber das Himmelreich, dessen Nähe durch die Verwirklichung der Thora gekennzeichnet ist, mit dem Verhalten des menschlichen Königs vergleicht, bilden beide einen Kontrast. Das wird durch den Schlusssatz aufgeklärt. Luise Schottroff übersetzt ihn deshalb so: „Gott ruft alle Völker, aber das Schwächste liebt er besonders“. Während die normalen Übersetzungen mit den Wörtern „viele gerufen“ und „wenige auserwählt“ eine Beschränkung von Gottes Handeln vornehmen, knüpft ihre Übersetzung an die Vision des Jesaja für die Völker (viele) und Israel (wenige) an.
Bei euch soll es anders sein
Die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse sind meilenweit von dem fern, was mit dem Himmelreich (Matthäus) gemeint ist. Der Publizist Wolfgang Bittner beschreibt diese so: „Die Verhältnisse in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren – politisch gesteuert – grundlegend verändert: Lebensunsicherheit und Angst grassieren, Egoismus statt Empathie, Hass gegen innere und äußere Feinde. Das macht es den Regierenden leicht, mit der Bevölkerung nach Belieben umzugehen. Festzustellen sind unter anderem eine übermäßige Digitalisierung, Registrierung und Überwachung. Wie sich immer deutlicher zeigt, erweist sich besonders Angst als probates Mittel zur Durchsetzung autoritärer politischer Maßnahmen, und zwar sowohl bei willfährigen Befehlsempfängern als auch bei einer indoktrinierten passiven Bevölkerung“.
So nimmt die Angst vor einem Krieg die uferlose Aufrüstung und den Abbau von sozialen Notwendigkeiten hin.
Wo die Herrschaft Gottes nahe ist, geht es anders zu, die Menschen gehen gut miteinander um. Sie sind zur Stelle, wenn einer abrutscht. Niemand soll unter die Räder kommen. Solidarität ist praktisch verankert. Feindbilder verschwinden. Wir stehen nicht auf der einen Seite und sie nicht auf der anderen. Der andere wird gewürdigt. Das verhindert Unterdrückung und andere autoritäre Maßnahmen. Wo Menschen so miteinander leben, können sie auch miteinander Festmahl halten.
Verletzte Welt (Vera Krause)
Der Himmel ist hinabgestiegen in verletzte Welt
Und hat Verletzte geheilt Kleine groß gemacht Armut gemindert Wasser in Wein verwandelt
Gefangenen Freiheit geschenkt Licht den Blinden Sprache den Mundtoten Ansehen
den Verachteten
SEIN Wille geschah auf der Erde wie im Himmel und so hat ER noch den Tod ins Leben
geführt
Prophetinnen und Propheten welches Gottes in was für einer Welt werden wir sein?
Helmut Schlegel OFM
Wenn die Erde unser gemeinsamer Tisch wird
Wenn wir auf Augenhöhe miteinander reden
Wenn wir den Reichtum unserer Kulturen teilen
Wenn unsere Kinder und Kindeskinder das Sagen haben
Wenn wir das Leben das in unsere Hände gelegt ist lieben und pflegen
Dann wird wahr wovon wir alle träumen.